Der Wahl-O-Mat zeigt nicht nur, mit welchen Parteien man die größte Übereinstimmung hat, sondern bringt meist auch die Erkenntnis hervor, dass man in manchen Themenbereichen eher der einen, in anderen Themenbereichen eher der anderen Partei nahesteht. Warum kann man dann nicht auch so wählen, hat sich Team High 5 gefragt und ein Konzept für eine Modulare Demokratie erarbeitet, mit dem sich Ideen wählen lassen.

Als einst die Piraten angetreten sind, waren sich viele Menschen – selbst innerhalb der anderen Parteien – einig, dass in dieser neuen Partei die größte Expertise zum Thema Digitalisierung und Netzpolitik existiert. Gewählt haben sie auf Dauer dann aber doch nur wenige,  weil es ja auch andere wichtige Themen gibt. Und da wusste man nicht so ganz, wie die Piraten zu denen stehen.

Viele Menschen fänden es wahrscheinlich sinnvoll, wenn die Grünen das Umweltministerium besetzen würden und so kann man Thema für Thema überlegen, welche Partei in dem jeweiligen Feld die meisten Kompetenzen hat. Aktuell können sich die WählerInnen nur für ein Gesamtpaket entscheiden. Die großen Volksparteien sind immer mit dem Anspruch angetreten, die gesamte Bevölkerung zu vertreten und für alle Fragen, die das Land betreffen, auch eine Antwort zu haben. In einer überkomplexen und hoch arbeitsteiligen Gesellschaft wirkt diese Vorstellung ein wenig antiquiert. Außerdem: Kann man in Zeiten, in denen sieben Parteien im Bundestag vertreten sind und keine Partei ernsthaft darauf hoffen kann, mehr als 35% der WählerInnenstimmen auf sich zu vereinigen überhaupt noch von „Großen Volksparteien“ sprechen?

Zu der Idee, die Team High 5 in unserem Workshop „Nach der Wahl ist vor dem Engagement“ entwickelt haben, müssen wir an dieser Stelle gar nicht so viel erläutern. Das wunderbare Beitragsbild von Ralph Berwanger (heythere[at]posteo.de) erklärt eigentlich schon sehr gut, worum es geht. Sicher, das ist keine Idee, die man auf die Schnelle umsetzen kann, aber es ist wichtig, Diskussionen darüber anzustoßen, wie wir mehr Menschen dazu bringen können, sich aktiver mit der Demokratie auseinanderzusetzen. Wer nicht einfach nur eine Partei wählen kann, sondern pro Themenkomplex das Programm einer Partei wählen muss, ist auch gezwungen, sich stärker mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Die eine oder andere Partei zu wählen, weil die Kandidatin oder der Kandidat so nett lächelt, ginge dann nicht mehr. Das funktioniert nicht? Na ja. Die „klassische“ Regierungsbildung funktioniert ja aktuell auch nicht so dolle. #Jamaika #GroKo #Neuwahlen

Ihr findet diese Projektidee super und möchtet mit denen, die sich das ausgedacht haben, in Kontakt treten? Dann kommt in unsere Redesign Democracy Facebook-Gruppe. Dort könnt ihr überlegen, was man aus den tollen Projektideen noch so machen kann. Denn es ist ja wohl klar: Nach dem Workshop ist mitten drin im Engagement!

Über den Autor

Henning Flaskamp ist Geschäftsführer von werk21 Kommunikation, einer Agentur für politische Kommunikation. Für Redesign Democracy kümmert er sich um Social Media und Öffentlichkeitsarbeit.

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