Am 18. Und 19. November fand unser Redesign-Democracy- Workshop „Nach der Wahl ist vor der Wahl“ in Berlin statt. Mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkretisierten mit Hilfe von Design Thinking ihre Ideen zur Verbesserung der Demokratie. Populäre Themen waren die Diskussionskultur, Partizipationsmöglichkeiten und das Wahlsystem.

„The people who are cracy enough to think they can change the world are the ones who do“. In grellem pink wird dieses Stephe-Jobs- Zitat am Ende der eineinhalbtägigen Redesign-Democracy- Veranstaltung an die Wand projiziert. 50 TeilnehmerInnen können nicht mehr an sich halten. Gemeinsam mit 20 Coaches und Organisatoren und den Vertretern von elf Partner-Organisationen applaudieren sie sich gegenseitig, liegen sich in den Armen und sind einfach nur stolz. Stolz auf das, was sie geschafft haben. Stolz, dass sie in der Lage waren, in eineinhalb Tagen harter Arbeit ein diffuses Gefühl von „da muss man mal was machen für die Demokratie!“ in sieben konkrete Projektideen verwandelt zu haben, teils so detailliert ausgearbeitet, dass sie direkt in die Tat umgesetzt werden können. Und stolz darauf, dass jeder und jede für sich mit der Unterstützung aller anderen herausgefunden hat, wofür er oder sie eigentlich so brennt in der Demokratie. Denn viele junge Menschen haben dieses politische Interesse in diesen Tagen, wo so viel schief läuft in der Politik. Doch nicht jeder macht den wichtigen ersten Schritt, um das Interesse in echtes Engagement zu transformieren. In unserem RedesignDemocracy Workshop haben wir mit Hilfe der Innovationsmethoden aus Design Thinking 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei unterstützt, den ersten Schritt zu gehen. Dabei hat es jedem Team sehr weitergeholfen, in Interviews auf der Straße Perspektiven jenseits der eigenen Filterblase einzusammeln, und zwar noch bevor das eigentliche Brainstorming überhaupt begonnen hat. Drei Themen, haben sich dabei wie ein roter Faden durch die Veranstaltung gezogen. Erstens das Thema Filterblase: Hier waren sich die Teilnehmer einig, dass es natürlich gut ist, einen klaren politischen Standpunkt zu haben, aber dass man dennoch im Gespräch bleiben muss. Aber höflich bleiben! Das zweite Thema, das die Teilnehmer beschäftigte, war die Diskussionskultur. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, die Grenzen zu Hatespeech und Hetze aber nicht immer klar. Ohnehin reicht bloßes Beschweren nicht immer aus, um etwas zu verändern. Was uns zum Thema Nummer drei bringt: Die Partizipation. Eine Demokratie erlaubt nicht nur Wahlen, sondern auch das Mitmachen. In den Teams kreisten viele Gespräche darum, wie man Menschen genau dazu ermuntern kann.“

Ein paar Eindrücke aus dem Workshop

 

Unsere Partner, darunter so unterschiedliche Organisationen wie Die Offene Gesellschaft, das Netzwerk Ich-bin- hier oder die ver.di Jugend, konnten in einem Matchmaking direkt im Anschluss an die Präsentationen ausloten, welche Projekte sie eventuell mit ihren Strukturen unterstützen möchten. In den nächsten Wochen werden sich die Teams und Partner weiter austauschen und über langfristige Kooperationen beraten. Unsere Coaches vom D.Collective und die Kommunikations-Profis von w21k werden diesen Prozess aktiv begleiten, denn uns ist wichtig, dass die Motivation aus dem Workshop nachhaltige Wirkung entfaltet. Auch werden wir in den kommenden Wochen auf dieser Homepage eine detaillierte Übersicht aller Projektideen und die gefilmten Projekt-Pitches veröffentlichen und eine Facebook-Gruppe für junge Demokratie-RetterInnen einrichten. Auf diese Weise soll Redesign Democracy auch die Personen erreichen, die noch keine Gelegenheit hatten, an unserem Workshop teilzunehmen. Denn Redesign Democracy ist nicht nur ein Workshop-Format. Es ist eine Einstellung und ein Gefühl: Verrückt genug zu sein um zu glauben, dass man die Welt verändern kann.

Über den Autor

Michael Metzger ist Design-Thinking-Coach, Journalist und Kommunikationsberater. Er ist Vorstandsmitglied des gemeinnützigen Vereins D.Collective e.V.